Das Fernsehprogramm gestern war ja mal wieder sooo schlecht. Man konnte sich BMX-fahrende oder "An Angel" trällernde Kinder auf RTL anschauen, man konnte Tony Marshall im ersten erleben, im Zweiten nen Krimi, bei Sat.1 einen Märchenfilm, der ins Nachmittagsprogramm gehört hätte, oder man konnte sich noch 10m unter den absoluten Niveau-Nullpunkt bewegen und bei ProSieben einschalten. Da war wieder mal der
Urinkellner Uri Geller am Werk und wollte Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen. "Alles kann passieren, dieses Experiment ist so spannend!"
Eigentlich ein Abend zum Fernseher auslassen, aber ich war zum
Quatschen bei Bekannten, also lief irgendwas nebenbei. Das waren zum
Großteil die Chroniken von Narnia, wie erwähnt ein Märchen, das aber
gegenüber dem, was man in den (wieder mal brutal langen) Werbepausen so
auf ProSieben geboten bekam, fast schon realistisch erschien. Dort saßen auf der Couch wie üblich jede Menge "Experten", die sich mal wieder über das Thema Ufos und Außerirdische unterhielten: ein gealterter Beckmann
Uri Geller, sein Nachfolger Vincent Raven samt Rabe, die unsägliche
Nina Hagen (die allein schon ausreicht, um Außerirdische von unserem
Planeten fernzuhalten), Johanna Klum (die nicht einmal irgendwas gesagt
hat sondern wohl nur fürs Auge in die Show zitiert worden war), später
noch "Ufo-Experte" Erich von Däniken, ein Paar, die in ihrem Garten irgendwelche Gräser anbauen
hin und wieder mal Besuch von Außerirdischen bekommen, und der
Moderator Stefan Gödde. Letzterer war der einzige, dem hin und wieder
mal ein Schmunzeln über die Lippen huschte.
Dazu hatten die
fleißigen Jungs von ProSieben auch noch eine Außenstation angemietet,
ein Teleskop in der Ukraine. Dort haben sie Daniel Aminati hingestellt
(bin ich eigentlich der einzige, der dachte, dass Aminati und Gödde nur
bei Raab in den Wok steigen oder vom Fünfer springen und sonst nix
tun?) und ein paar russischsprechende Statisten. Ob wir jetzt
tatsächlich irgendwo in Osteuropa waren oder nur in einem veralteten
Computerkabinett einer Schule in der Nähe, konnte keiner genau sagen.
Die Herren da taten auf jeden Fall sehr geschäftig und beobachteten das
Rauschen.
Der Scharlatan Zauberer Mentalist
Geller faselte jedenfalls immer wieder was von spannend, im Internet
konnte man wohl auch Botschaften für die Außerirdischen abgeben, die
dann, nachdem das Publikum bewiesen hatte, dass es noch von 10
rückwärts bis 0 zählen kann, nach Kiew übertragen wurden, wo dann der
Oberprofessor auf ein altes Plastikteil mit Knöpfen drückte und man auf
den Monitoren lustige Statusbalken laufen sehen konnte. Dazwischen eine
Aufnahme des Teleskops, keine Ahnung was man da sehen sollte. Jetzt
wurden also die "Hallo Aliens" ins All geschickt. Wie eigentlich? Haben
"die da draußen" auch ein IP-Netz? Oder kennen die vielleicht das
Fax-Protokoll? Und in welcher Sprache wurde das denn alles verschickt?
Nun
musste also auf eine Antwort gewaratet werden. Immer mal wieder
hektisches Umschalten zu Aminati, der über seine Dolmetscherin immer
nur ein "da ist was passiert, was es genau ist, weiß man noch nicht"
erfuhr. Von Däniken erzählte noch was, dass früher mal jemand mit den
Aliens gevögelt haben muss, sonst wären die Pyramiden nicht möglich
gewesen. Dann kam auch noch Uli Hoeneß ein
Hypnotiseur, der sich den Typen mit den Besuchen aus dem All nahm und
ihm dann irgendwas von "sah aus wie bei Star Trek" entlockte.
Am
Ende war natürlich alles wie immer, aus "alles kann passieren" wurde
ein "nichts ist passiert" und wir haben gelernt, dass das Rauschen im
All klingt wie das Fernsehen nach Sendeschluss (den es ja leider nicht
mehr gibt). Alles wie immer? Nein, nicht ganz. Dieser Blödsinn war
selbst den Zuschauern zu doof, so dass trotz fehlender Alternativen nur
1,4 Mio Zuschauer eingeschaltet haben. Wenigstens etwas - das erspart
uns den Pausenclown Geller jetzt hoffentlich erstmal für ne Weile.
Es gibt natürlich einige, die das "Spektakel" deutlich besser zusammenfassen können als ich, als weiter Lektüre sei deshalb spiegel.de und dwdl.de empfohlen.