Letzte Nacht hat Dallas seine vierte Niederlage verdient eingefahren, die Saison ist zuende. Wow, die Statistiken sehen wirklich grauenvoll aus - zumindest auf Mavs-Seite. Allen voran die von Dirk. Im letzten Spiel hat er gerade noch die Kurve gekriegt und in den letzten drei Minuten 12 Punkte eingestreut, aber jetzt.... 8 Punkte! Autsch.
Dirk hat so eine Art, in wichtigen Spielen abzutauchen. In meiner persönlichen Wahrnehmung der letzten Jahre war es in großen Spielen, die Dallas gewonnen hat, meist ein anderer, der die Kohlen aus dem Feuer geholt hat. Letztes Jahr hatte Jason Terry eine Bombensaison, hat oft mehr Punkte als Nowitzki erzielt und häufig die spielentscheidenden Würfe getroffen. Für Dallas war erst im Finale Schluss.
Und wenn wir uns die sechs Spiele dieser Playoff-Serie anschauen, wird auch ziemlich klar, was ich meine. Spiel zwei hat Dallas gewonnen, aber auch wieder nur, weil Jason Terry einen Sonnentag erwischt hatte und 28 Punkte gemacht hat. OK, Spiel 5 können wir Dirk zuschreiben; ohne seine Punkte am Ende hätte Golden State schon in diesem Spiel den Sack zugemacht. Aber die Niederlagen... Spiel 1 - Nowitzki 14 Punkte, 4 von 16 Treffer. Spiele 3 und 4 Durchschnitt, bei Spiel vier auch schon ein netter Endspurt von Nowitzki, das zeigt aber, dass vorher nicht viel zusammenlief. Spiel 6: 8 Punkte, 2 von 13 aus dem Feld. OMFG! (Ich schreib das besser nicht aus.) OK, man kann als großer Spieler - als der beste 2,10-Typ seit Larry Bird, wie ich das heute mal wieder gehört habe - man einen schlechten Tag haben. Aber darf man eine komplette schlechte Serie haben? Ich denke nein.
Da ja aber der Titel des MVP für die reguläre Saison vergeben wird, will ich nur mal die zwei Spiele gegen Phoenix in Erinnerung rufen. Beide Spiele wurden von Phoenix gewonnen. Und Nowitzki hat in den entscheidenden Momenten nicht wirklich heldenhaft gespielt. Mitte März, als Dallas nach zweimaliger Verlängerung unterlag, hat Dirk in der letzten halben Minute der regulären Spielzeit zwei Freiwürfe vergeben. Hätte das Spiel überhaupt in die Verlängerung gehen müssen? Anfang April dann noch einmal das Aufeinandertreffen der beiden besten Mannschaften im Westen. Jedoch war dieses Spiel nie eng, Phoenix gewinnt am Ende mit 22 Punkten Vorsprung. Nowitzki mit 21 Punkten. Hmm... Mir fehlen einfach die großen Momente eines Nowitzki.
Mir scheint, als ob der sicherlich beste Basketballspieler, den Deutschland überhaupt hervorgebracht hat, bald mit dem Image des ewigen Zweiten kämpfen müsste. Als Anfang dieser "Serie" kann wohl das verlorene Finale letztes Jahr gesehen werden. Danach kam die WM, bei der Nowitzki oft die Verantwortung hätte übernehmen müssen, dies aber nicht getan hat. Das Resultat war ein achter Platz am Ende.
Unter diesen Gesichtspunkten empfinde ich den MVP-Titel, den Dirk wohl bald in Empfang nehmen darf, als nicht gerechtfertigt. OK, die Mavs haben eine gute Saison gespielt und die Statistiken von Nowitzki sind nicht schlecht, aber der einzig würdige MVP in meinen Augen ist - auch wenn es langweilig wird - Steve Nash. Durch die "Auszeiten", die sich Nash immer mal wieder nimmt, wird einem vor Augen geführt, wie wichtig der Typ für sein Team ist. Die Sieg-Quote ohne ihn ist lächerlich, hätte er jedes Spiel gespielt, wäre Phoenix wahrscheinlich die beste Mannschaft in der NBA geworden und hätte an der 70-Siege-Marke gekratzt. Er macht sein Team einfach besser. Und spielt in großen Spielen auch wie ein Großer. Macht das was er immer tut, nur noch einen Zacken besser. Sorry Dirk.